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Sven v.Brasch /Siegmar Jeromin  3.04.–29.04.2022   |  Monatlich wechselnde Ausstellungen

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Collection #2

Video D 2022, ST, 1:51 min.


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Magic Bus

Einzelbild-Animation,  D 1984 /2022


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Unter dem Pflaster lag einmal der Strand


Was bedeutet es heute, Utopien zu haben, wo doch so viele Ideale wie Seifenblasen zerplatzt, so viele Versuche gescheitert sind? Wo es gerade doch eher darum geht, uns vor noch Schlimmerem zu bewahren, zu retten, was zu retten gilt.  

Für mich waren Utopien immer auch Phantastereien, Hirngespinste, mit oft nur einem Rest an Möglichkeit. Aber daran hat man wenigstens geglaubt. Heute sind Utopien konkrete Handlungsanweisungen, errechnete Pläne, streng an der Lebenswirklichkeit und ihren Bedingungen ausgerichtet. Sicher nicht ganz verkehrt. In der Kunst arbeitet man immer in diesem Spannungsfeld von Vorstellung und Realisierbarkeit. So viele gescheiterte Projekte. Als hilfreich hat es sich dabei erwiesen, sich an das zu halten, was einem vor den Augen liegt. Daher trage ich immer eine Kamera bei mir und sammle tägliche Beobachtungen. Frei umherschweifendes, absichtsloses Sehen lässt unverhoffte Begegnungen entstehen. Schon beim Blick durch den Kamerasucher begebe ich mich auf eine Reise: Ich bin hier und gleichzeitig woanders. Im ersten Jahr des Corona-Lockdowns verwirklichte ich ein lange gehegtes Projekt und begann mit einer fortlaufenden Serie kürzester filmischer Clips, zunächst für Instagram. Schon die Aufnahme zerlegt die knappen Filmsequenzen in Einzelbilder, mit denen beliebige Kombinationen und Verzahnungen möglich sind. Dabei können Verschmelzungen oder Kollisionen entstehen, jedenfalls artikuliert sich innerhalb dieser Zehntelsekunden meine Filmsprache. Das Ergebnis sind filmische Miniaturen, ähnlich einem Gedicht. Denn die Montage-Verbindungen können vielfältig sein, poetisch-spielerisch, intellektuell-metaphorisch, abstrakt-konkret. Die sich dadurch eröffneten Möglichkeitsräume bergen ein immenses utopisches Potential und gehen damit über das rein Sichtbare hinaus. Ein Prozess, der von der Wahrnehmung zum Denken zum Handeln führt:

 

„Unsere Kneipen und Großstadtstraßen, unsere Büros und möblierten Zimmer, unsere Bahnhöfe und Fabriken schienen uns hoffnungslos einzuschließen. Da kam der Film und hat diese Kerkerwelt mit dem Dynamit der Zehntelsekunden gesprengt, so dass wir nun zwischen ihren weitverstreuten Trümmern gelassen abenteuerliche Reisen unternehmen.“ 

                                                                          Walter Benjamin 



Für diese Ausstellung habe ich eine Auswahl von Zehntelsekundenlyrikfilmen in drei Collections arrangiert.


Magic Bus – Ergänzend präsentiere ich abfotografierte Filmframes eines 1983 gedrehten Super 8-Films, der für mich gerade wieder an Aktualität gewinnt. Der Film zelebriert auf rührend naive Weise ein romantisiertes Hippie-Bewusstsein, an das ich damals, bei Schnitt des Films auch nicht mehr so recht glaubte. Bei Vorführungen in den letzten Jahren spüre ich aber ein erwachendes Interesse der jüngeren Generation an diesen Sehnsuchtsmotiven des Films, als etwas, das es vielleicht wieder zu entdecken gibt.


Photo – eine im Januar 2022 an einem Tag in Athen aufgenomme Handyfotoserie.


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          …Gunter:


Gunter Deller (*1963, wohnhaft in Frankfurt a. M.): Studium Germanistik, Philosophie, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt; Visuelle Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung, Offenbach/Main mit den Schwerpunkten Film (bei Prof. Helmut Herbst und Urs Breitenstein) und Fotografie (bei Lewis Baltz / Clemens Mitscher)

1999 Abschluß als Diplom-Designer.

Freie künstlerische Tätigkeit im Bereich Experimentalfilm und Videokunst


Preise: 

„Schattengrenze“ (1999) wurde mit dem Hessischen Hochschulfilmpreis ausgezeichnet, Lobende Erwähnung IKFF Hamburg. Die Filme „Örtliche Betäubung“ (2006) und „Wildwechsel“ (2012) wurden von der Hessischen Filmförderung gefördert und liefen auf zahlreichen Festivals. „Light my Fire“ (2013) war nominiert zum Preis der deutschen Filmkritik. 


Seit 1999 Mitbetreiber des Mal Seh’n Kino in Frankfurt a. M. und Programmkurator mit besonderer Vorliebe für den künstlerischen und „experimentellen Film“. 

Filmreihen: Landschaft im Film, Subversives Kino, 24 fps -Flickering Lights u.a.

2016 Eröffnung des SCHAUT!-Ausstellungsraums für Film- und Videokunst im 1.Stock des Mal Seh’n Kino (Co-Kurator Saul Judd).


Lehraufträge an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Frankfurt/M., Fb. Theater- Film- und Medienwissenschaft; Hochschule Darmstadt-Dieburg, Fb. Media sowie an der Hochschule für Gestaltung, Offenbach/Main, Fb. Visuelle Kommunikation - Film

2006-2010 Vorstand im Film- und Kinobüro Hessen e.V. 

2020-2022 Jurytätigkeit bei Kurzfilmfestivals u.a. 2022 Lichter Art Award, Short Cuts Cologne, Internationales Kurzfilm Festival Hamburg, Internationale Kurzfilmtage Oberhausen, Deutscher Kurzfilmpreis des BKM

Technische Betreuung und Durchführung von Projektionen aller Art (Kino, Filmfestival, Kunst, Open-Air), Mitarbeiter der Kinothek Asta Nielsen e.V. mit Schwerpunkt Super 8 / Normal 8; Erstellung Festivaltrailer für Elvira Notari Festival und Remake-Festival, Mitarbeiter von James Mackay bei der 4K-Digitalisierung von Derek Jarmans Super 8-Filmen. 


Kamera:

2018 Claus Withopf: Anne Clarke – I’LL WALK OUT INTO TOMORROW – Experimentelle Super 16mm-Sequenzen (digitalisiert), Dokumentarischer Kinofilm.

2020 Margarete Rabow: „66.000“ 1. Kamera bei Wien-Aktion 2018, technische Leitung bei „11.908“ Aktion in Frankfurt 2020. Experimenteller Einzelbildfilm auf 16 mm (digitalisiert)



Filme / Videos / Installationen (Auswahl):

2022  Musikvideos für Chinaski, Tiefenrausch Klangkombinat und Ernstalbrecht Stiebler

2021 Videoarbeit für die Dauerausstellung des Deutschen Romantikmuseums Frankfurt  Station „In die weite Welt“ zu Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“

Beginn der Reihe „Zehntelsekundenlyrik“ Präsentiert von der AG Kurzfilm auf den Marktscreenings des Kurzfilmfestivals in Clermont-Ferrand

2019/2020 INSELN VON DUNKELHEIT, INSELN VON LICHT – DER DICHTER PAULUS BÖHMER Experimenteller Dokumentarfilm, 102 Min., DCP. Musik: Alfred 23 Harth 

2017/18 ONE ANOTHER 1-Kanal-Video- und 3-Kanal-Soundinstallation, geloopt und Kinoversion, DCP von HD, Farbe/SW, 

10:26 min.

2018 Ausstellung Weißfrauen Diakoniekirche 

2016 HIER UND DA 1-Kanal Videoinstallation, geloopt, 6:45 min.

ART.26. short cuts, Städtische Galerie Dreieich.  

HIER UND DA  DCP von HD, Farbe/SW 

7:38 min.

2000/2016 NEST:FLUCHT & FOUND FOOTAGE MONTAGEN, 8:30 min. 

Musik: Polytoxicomane Philharmonie

2015 LANDUNGEN UND PERIPHERE ZIELE  3-Kanal Videoinstallation, 11 Min.

Frankfurter Kunstverein „New Frankfurt Internationals – SOLID SIGNS“

2014 BAROCK.ROMANTIK.VIDEO “Curvature of Events” 8 Videokunstarbeiten, Staatliche Kunstsammlungen Dresden / Albertinum, kuratiert von Meskerem Assegued in Kooperation mit Goethe Institut Subsahara, Katalog erschienen bei KERBER

2014 FRAGILE FOSSILE, DCP von Super 16, Farbe 7,5 min., Musik: Polytoxicomane Philharmonie

2013 THE FORGETTING OF INTENTIONS AND IMPRESSIONS, 1 Ausstellung, 2 Film-programme (mit Günter Zehetner), Galerie im Gallus Zentrum Frankfurt a.M.

2013 IRREALE AREALE - Fotografie & Film Installation, 1822 Forum Frankfurt, (Einzelausstellung)

2013 LIGHT MY FIRE, Super 8 auf HD/DCP, Farbe 8 Min.

2012 WILDWECHSEL, DCP von Super 16, Farbe, 13 Min., Musik: Antye Greie /AGF

2011  DIESSEITS.JENSEITS.ABSEITS, Fotoinstallation, Frankfurter KunstBlock    Gruppenaustellung “Erinnerung & Fiktion” 

2009 RIVERRUN AND TOUCHDOWN,

DigiBeta (von 16 mm) Farbe, 7,5 Min.

2007 SCHLAFENDE HUNDE, 16 mm Farbe, 7 Min.

2006/07 ÖRTLICHE BETÄUBUNG, 35 mm (Super-16 Blow-up), Farbe, 13 Min.

gefördert durch Hessische Kulturelle Filmförderung und Hessischer Rundfunk 

Musik: Oliver Augst / Marcel Daemgen

2004 EISGRUB, 16 mm SW, 8 Min.

2001 SCHIEBT SHIPS, Videoinstallation Farbe, 62 Min. Schirn Kunsthalle (Kabinett), Frankfurt 

1999 SCHATTENGRENZE, 16 mm SW, 

9,5 Min., Musik: Marcel Daemgen

IM BLUMENGARTEN, 16 mm, Farbe, 2 Min., Teil des Kompilationsfilms „winterspruch“, Musik: Daemgen/Augst

1998 CHANGE REACTION, Fotoinstallation mit 480 Diapositiven und Zelt, Hochschule für Gestaltung Offenbach a. M.

1995 IM HANDUMDREHEN Filminstallation, 16 mm Projektor und Handtuch, Messehalle Gießen, automat s/w, 16 Min.

VON HIER AUS, 16 mm Farbe/SW, 7,5 Min.

1994 ANDERE ORTE, 16 mm SW, 8 Min.

1993 INSELN, 16 mm SW, 3 Min.

FLUCHTEN, 16 mm SW, 5 Min.    

1989 RÄUME, S-8/16 mm Blow-up Farbe, ST



Kontakt:

Gunter Deller c/o Mal Seh’n Kino, Adlerflychtstr. 6, 60318 Frankfurt am Main, 

Tel. 069 - 5970845 

looking-glass{at}alice-dsl.net


Vertrieb: Lightcone, Paris 

Preview: 

https://vimeo.com/user25702807 




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